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Leseprobe zu ››ANGST‹‹, dem Psychothriller von Julius Cyphandrius (erschienen als E-Book im März 2014, aktualisiert letztmals am 7.7.2015): (Die Leseprobe gibt es auch hier, am praktischsten natürlich lässt man sich auf der Amazonartikel-Seite zu diesem E-Book die Leseprobe auf den eReader - z.B. den kindle - schicken)

Seit 9.4.2014 gibt es auf dieser Seite mehrere Videos mit dem gelesenen Einstieg ins Buch.
 

››ANGST‹‹ (E-Book) von Julius Cyphandrius/Linus Lumpitzsch
JULIUS CYPHANDRIUS | LINUS LUMPITZSCH
››ANGST‹‹ (Leseprobe)
Psycho-Thriller
– Überarbeitete Fassung vom 7. Juli 2015 –

Inhalt
Eine mordende Bestie in Menschengestalt verursacht Angst und Schrecken in Hitchten.
Die Polizisten Billy Blank und Norman Queer – ein wenig planlos, aber humorvoll – versuchen, während sie im Laufe ihrer Ermittlungen einer ganzen Reihe merkwürdiger Menschen begegnen, den Serienmörder zu schnappen, wobei sie aber einerseits vor allem ihren Boss Mortrian Abuzic wütend und immer wütender machen, andererseits dafür sorgen, dass der Mann mit dem kantigen Gesicht Blank & Queer eine kleine Notiz hinterlässt...
››Im Irren eurer Ermittlungen vermögt ihr nicht die Sorgfalt meines Tötens zu erkennen. In euren Versuchen des Beendens dieser wundervollen Taten, welche ich aus Liebe zu Gott vollbringe, erscheint ihr mir als erbärmliche, nicht verstehen wollende Kreaturen der Dummheit. Nehmt den Kampf auf und bereitet mir ein wenig Abwechslung!‹‹
Die Jagd hat begonnen, doch wer ist der Jäger, wer der Gejagte?
››ANGST‹‹ ist ein Psycho-Thriller, der durch einige Prisen Humor und Merkwürdigkeiten bereichert und voller Leidenschaft und Enthusiasmus geschrieben wurde.

Julius Cyphandrius ist ein Pseudonym von Linus Lumpitzsch. Der Autor wurde 1976 geboren und liebt neben dem Erfinden und Schreiben von Geschichten auch das Lesen, die Musik und den Film von ganzem Herzen. Eine Übersicht weiterer Veröffentlichungen ist auf www.hitchten.de sowie www.hitchten.de/8stories/veroeffentlichungenvonlinuslumpitzsch.htm zu finden.

Widmung
Dieser Roman ist Anneke gewidmet.

››I’m still looking for these angels in the snow‹‹
36 Crazyfists, ››Slit Wrist Theory‹‹

Intro
››Fuck, diese Bestie hat schon wieder zugeschlagen‹‹, fluchte Norman Queer.
Der kalt schneidende Wind fraß seine Stimme beinahe auf. Er betrachtete abermals die Leiche, wobei sein Hauptaugenmerk auf die Schnitzerei im Gesicht des Getöteten gerichtet war.
Sein Partner Billy Blank stand ein wenig abseits und schüttelte angewidert den Kopf.
Der hell scheinende Mond warf seinen mystischen Schein mitten in den Park, in welchen sie gerufen worden waren.
››Ein Big Mac. Mann, das wär’s jetzt. Oder, was meinst du?‹‹ lautete die Reaktion von Blank. Er sah seinen Partner eine Weile an und ließ seinen Blick dann durch die Gegend schweifen.
Der Mond beschien den leblosen Körper des Ermordeten, als wolle er ihn präsentieren.
››Was für eine Sauerei‹‹, zürnte Police-Officer Queer weiter, nahm einen langen Zug an seiner filterlosen Zigarette, reagierte jedoch auf die kulinarischen Gelüste von Billy Blank nicht im Geringsten.
Der Kauz am Boden war bereits das dritte Opfer in dieser Woche und Norman Queer nervten die ständigen Weckanrufe mitten in der Nacht. Die billige und graue Digitaluhr an seinem rechten Handgelenk zeigte an, dass es kurz nach drei Uhr am Morgen war.
››Eine verdammt kranke Scheiße ist das, Norman‹‹, meinte sein Kollege Billy Blank und blickte erneut auf das blutverschmierte und total verstümmelte Mordopfer.
Die Mordserie, die sich in letzter Zeit in Hitchten-Süd abspielte, was ein einziger Jammer. Irgendein Irrer schien Rache nehmen zu wollen für irgendeinen Mist.
Norman Queer und sein Partner Billy Blank waren die Idioten, die sich nach Meldung des Fundes einer weiteren Leiche in dieser Mordserie an den entsprechenden Tatort begeben mussten. Diese verfluchte, verdammte, beschissene Serie. Konnte sich der Penner nicht ein anderes Hobby auswählen?
››So langsam kotzt mich diese verdammte Arbeit wirklich an‹‹, meinte Billy Blank, stellte jedoch zugleich ein wenig beschämt fest, dass der Anblick der Leiche nicht allzu viel der Rührung bei ihm hervorrief.
Das Funkgerät im Streifenwagen knisterte.
››Wagen sieben, bitte melden! Was is‘ denn heute wieder los mit euch? Seid ihr von ’nem UFO entführt worden, oder was?‹‹ fragte Clarissa Archer in der Zentrale des Polizeireviers.
››Verdammt, lass uns diesen Pechvogel mal genauer anschauen‹‹, gab Queer von sich, nahm einen weiteren Zug an der Zigarette, bemerkte, dass ihm diese im Augenblick nicht im Geringsten schmeckte und schmiss sie folglich von sich.
››Hat dir der schöne Anblick bisher noch nicht gereicht?‹‹ wurde Billy Blank – nun etwas genervt klingend – los und folgte seinem Partner in Richtung des Getöteten.
Im Lichtkegel der Scheinwerfer des Streifenwagens verging nicht viel Zeit, bis Norman erkannte, dass der mordende Bastard seiner Linie treu geblieben war.
››Verfluchte Scheiße‹‹, brachte Billy Blank stammelnd hervor. Auch wenn ihn der Anblick der Leichen, die er an Tatorten zu Genüge zu begutachten hatte, obwohl er erst seit kurzem bei der Polizei Hitchten an Bord war, normalerweise nicht mehr sonderlich kümmerte, so entsetzte ihn jener dieses Opfers nun doch ebenso sehr, wie das offensichtlich auch bei seinem Kollegen Norman Queer der Fall zu sein schien.
››Gib schon die Scheißmeldung durch‹‹, grummelte Norman genervt und angewidert zugleich. Die bescheuerte Arbeit in dieser Drecksstadt Hitchten und jene ihnen anvertraute Mordserie kotzten ihn zutiefst an.
››Er hat nichts daran geändert. Dieser Typ ist die Ausgeburt der Hölle‹‹, entgegnete Blank. Dann verschwand er in Richtung des Streifenwagens, aus dem ohnehin schon wieder über Funk nach ihnen gefahndet wurde.
Queer beobachtete kurz seinen zweiunddreißigjährigen Kollegen mit der witzigen kurzen Lockenfrisur und wandte sich dann dem jüngsten Opfer zu.
Auch in dieser Novembernacht war der Hinweis anonym in der Zentrale eingegangen. Abermals – wie bei jedem bisherigen Anruf im Zusammenhang mit dieser beschissenen Mordserie – hatte wer auch immer von einem öffentlichen Telefon aus angerufen.
Bei der Leiche handelte es sich auch diesmal – so viel erkannte Norman Queer sofort – um einen ihm bekannten Highschool-Lehrer einer Schule aus dem Süden von Hitchten.
Was war das nur für ein Trauerspiel? Die Lehrer dieser Schule schienen den Tod ebenso anzuziehen, wie das ein Haufen Scheiße mit Fliegen zu tun pflegte.
Seit Wochen hagelte es Tote.
Noch im Oktober – vor zwei Wochen – waren zwei Lehrer tot aufgefunden worden. In dieser Woche nun, nachdem in der letzten ausnahmsweise nur ein Lehrer getötet worden war, hatten sie schon wieder den dritten ermordeten Lehrer vor Augen.
Der Hunger irgendeines kranken Ungeheuers schien sich nun wieder deutlich zu steigern.
Wenn diese Scheiße so weiterging, dachte sich Norman, während er dem eisig schneidenden Wind große Beachtung schenkte, würde die Arbeitslosenquote unter den Lehrern zumindest in dieser Stadt bald bei null Prozent liegen.
››Was für ein Bastard ist das?‹‹ stellte Queer dem Wind jene Frage, welche im Augenblick nicht beantwortet werden konnte.
››Weiß der Teufel. Vielleicht irgendein zutiefst verbitterter Schüler? Tja, da bin ich jedenfalls froh, dass ich mich für diesen Job entschieden hab‘, so verdammt scheiße er auch manchmal ist‹‹, entgegnete Blank, als er wieder auftauchte.
››Ist das also wirklich wieder einer von der Highschool-Süd?‹‹
Norman nickte nur kurz und überlegte im Anschluss daran, ob er sich eine weitere Zigarette anstecken sollte. Er entschied sich dazu, das bleiben zu lassen und sah stattdessen seinen Partner an.
››Bringen wir dieses Trauerspiel hinter uns, Billy. Lass uns diesen verfluchten Tatort absichern und rausfinden, ob unser Freund nicht vielleicht doch unvorsichtig geworden ist und hier irgendwo irgendwas außer ’ner Leiche und ’ner Menge Fragezeichen zurückgelassen hat.‹‹
Wenig begeistert nickte Blank, sagte: ››Weißt du? Manchmal frage ich mich, in welch kranker Welt wir leben‹‹, und begann dann mit seiner Arbeit.
Zur Unterstreichung seiner Aussage blickte er erneut auf das radikal zerschnittene und zudem extrem verstümmelte Gesicht des ehemaligen Lehrers, der in dieser Aufmachung prima und sofort in jedem Gruselkabinett des Grauens hätte anfangen können. Dafür wäre es noch nicht mal notwendig, ihm den offensichtlich abgehackten rechten Arm wieder anzunähen.
Seit die beiden in der vergangenen Woche wegen eines Gesprächs mit allen Lehrern der Highschool-Süd von Hitchten zusammengekommen waren, um über den möglichen Schutz der einzelnen Lehrer zu sprechen, kannte er das Gesicht eines jeden einzelnen von ihnen. Norman Queer war mit einem äußerst guten fotografischen Gedächtnis ausgestattet und er konnte sich Gesichter im Gegensatz zu Namen sehr gut merken.
››Was für eine kranke Scheiße. Ist also genauso bearbeitet worden wie die anderen‹‹, warf Billy ziemlich langsam und außerdem recht bleich im Gesicht die Worte in Richtung des dunklen Nachthimmels, um dieses Blutbad nicht betrachten zu müssen.
››Tolle Feststellung, was glaubst du denn? Nein, der sonnt sich hier nur ein bisschen. Ich frag‘ ihn gleich mal, ob er noch ’ne Runde mit uns trinken geht. Ja, verdammt. Ein glatter Stich mitten ins Herz. Und dann hat dieser nette Bursche mit dem Zerstümmeln losgelegt. Hatte wohl Langeweile. Manchmal hab‘ ich wirklich genug von diesem ganzen ekelhaften, kranken, widerlichen Mist.‹‹
Billy Blank erwiderte nichts auf diese Aussage. Er begab sich kopfschüttelnd auf die Suche nach möglichen Spuren oder verlorenen Gegenständen, welche mit dieser Gruseltat zusammenhängen konnten und wünschte sich, Kartenabreißer in irgendeinem beheizten Kino zu sein und jetzt außerdem lieber zu Hause mit einem Bier und ’ner netten Mieze.
››Weit und breit kein Haus. Nix, wo irgendwer was hätte sehen können‹‹, meinte Norman Queer mürrisch und fragte sich, wann der total überflüssige Notarztwagen auftauchen würde und ob Billy bereits einen Leichenwagen angefordert hatte. Außerdem fragte er sich, ob es nicht besser wäre, sich eine andere Arbeit zu suchen.
››Schrecklich‹‹, wurde Queer dann noch los und klang fast selbstmitleidig. Er war unglaublich müde und wünschte sich sehnlichst sein Bett herbei. Mit diesem Horrorscheiß wollte er nichts zu tun haben.
Seit über zehn Jahren arbeitete er nun schon im Streifendienst von Hitchten. In dieser langen Zeit hatte er viel miterlebt und eine Menge Blut und widerlichen Mist gesehen.
Er hatte durchaus auch einige schönen Dinge erlebt: Wenn ihn alte Damen freudig umarmten, weil er ihnen durch spezielle Kletteraktionen eine Katze zurückgebracht hatte, oder wenn er einmal wieder ein kleines Kind, welches sich verirrt hatte, nach Hause brachte.
Aber dieser verfluchte und abscheuliche Fall nun, diese ganze beschissene Mordserie, all die erstochenen, im Gesicht zerschnittenen und zerhackten Opfer, diese ganze kranke Scheiße verlangte ihm doch seine letzten Nerven ab.
Blank suchte noch immer mit seiner stark leuchtenden Taschenlampe nach möglichen Spuren im Kurt Cobain-Gedächtnispark von Hitchten. Bisher hatte er lediglich Abfälle und Hundekot entdecken können, nun ließ seine Geduld langsam aber sicher nach. Er suchte nur noch oberflächlich nach möglichen Rückbleibseln, welche auf die Tat hinweisen konnten.
››Dieser Spinner geht jedes Mal gleich vor. Ein kurzer Stich mit dem Messer und das war es dann auch schon. Zum krönenden Abschluss gibt‘s dann noch eine fröhliche Schnitzarbeit im Gesicht, mal ’nen Arm abgetrennt, mal ’n Bein und fertig. Billy, diese Welt ist sowas von kaputt‹‹, meinte Norman Queer mit einer melancholischen und doch zugleich gelangweilten Stimme.
Blank achtete nicht auf ihn. Er intensivierte erneut seine Suche, richtete seinen Blick wieder zweimal auf jede Stelle und spürte schmerzlich, dass ihm sehr viel Schlaf fehlte. Er hatte heute Nacht auf solch einen Quatsch mit jeder Menge blutiger Soße kein bisschen Lust und begann, über etwas nachzugrübeln.
Wieder blickte sich Queer um und diesmal besiegte ihn der Drang, sich eine Zigarette anzuzünden. Dabei wurde er begleitet von einem großen Schuldgefühl, denn der achtundvierzigjährige große Mann mit den braunen Haaren samt deutlichem Graueinschlag und der leichten Hakennase hatte sich eigentlich geschworen, auf das Rauchen zu verzichten, nachdem sein Husten schlimmer geworden war. Aber im Augenblick kümmerte ihn das so viel wie die Wettervorhersage für die Färöer-Inseln.
Die Motivation war eher unterirdisch anzusiedeln, denn bei all den anderen Tatorten hatte dieser geisteskranke Widerling nicht die geringste Spur hinterlassen. Weshalb sollte es ausgerechnet in dieser stechend windigen und eiskalten Novembernacht anders sein?
››Nichts, Norman‹‹, meinte der in seinen jungen Dienstjahren noch etwas enthusiastischere Billy Blank und schüttelte den Kopf. Dann zog er sich seine Uniform zurecht, da ihn eine kalte Woge des Windes erfasst hatte und trat auf seinen Partner zu, der immer wieder Züge an der filterlosen Zigarette nahm und dazwischen das eine oder andere mal hustete.
››Du solltest diesen Scheiß wirklich lassen.‹‹
Diesem Kommentar von Blank fügte Norman Queer lieber nichts hinzu. Stattdessen strich er sich mit der freien linken Hand durch das Haar und blickte erneut in die Richtung, aus der sie der unnötige Notarztwagen erreichen würde, deren Insassen mal wieder Freikarten für die Horrorshow ergattern würden.
››Haste eigentlich schon den Leichenwagen angefordert?‹‹ fragte Billy, wobei nun Norman für Momente schmunzeln musste, da er an Blanks Kommentar rund um das Rauchen dachte. Dann jedoch schüttelte er den Kopf.
››Immer mit der Ruhe. Hauptsache, wir kommen bald weg von hier.‹‹
Norman nahm einen weiteren Zug an der Zigarette.
Erneut gab das Funkgerät im Streifenwagen sieben ein Knacksen von sich und wieder meldete sich Clarissa.
››Wagen sieben? Norman? Billy? Habt ihr euch schlafen gelegt, oder was? Ist der Notarztwagen schon da? Lebt der Typ überhaupt noch? Ich muss den ganzen Käse doch notieren.‹‹
Ein Lächeln zog sich über Blanks Gesicht. Er hatte Clarissa bei der letzten Jahresfeier des Reviers und im weiteren Verlauf jener wundervollen Nacht eindeutig genauer kennengelernt und dachte daran, demnächst jenes schöne Erlebnis mit ihr wiederholen zu wollen.
Billy Blank bewegte sich kommentarlos und trotzdem grinsend auf den Streifenwagen zu, dessen Scheinwerfer nach wie vor ihre grellen Kegel genau auf den Tatort warfen, an welchem der Lehrer mit wie ein X übereinanderliegenden Beinen und einzelnen um ihn herum verteilten Körperteilen lag, die bis vor kurzer Zeit noch ihm gehört hatten.
Das sah sogar ein Blinder mit Krückstock, der jedoch in Anbetracht dieses Szenarios hier, das auch einem alten Romero-Film hätte entnommen worden sein können, froh sein konnte, nichts zu sehen.
››Süße, da ist noch kein Notarztwagen zu sehen. Schätze, unser Freund hier dürfte kaum noch einen benötigen. Das hat sich für den wohl ein für alle Male erledigt. Ein schwarzer Schlitten scheint angebrachter. Aber wenn du Langeweile hast, …‹‹
Er grinste ihr über das Funkgerät zu.
››Lass den Blödsinn, Billy! Ich bin heut‘ Nacht verdammt genervt. In Hitchten scheint‘s mal wieder drunter und drüber zu gehen. Was für ’ne verfluchte Scheißstadt.‹‹
Billy Blank beobachtete für Augenblicke etwas belustigt Norman, dann wandte er sich wieder dem entfachten Gespräch zu, wobei er schon darüber nachdachte, wie er Clarissa mal wieder in sein Bett bekommen konnte, um sie dort flachzulegen.
Norman Queer fotografierte gerade den toten Körper des Lehrers. Er wirkte dabei keinesfalls so, als knipse er eine Leiche, sondern eher, als habe er sich einen schicken Sonnenuntergang als Motiv auserwählt.
Obwohl auch in ihrem Revier beruflich damit beauftragte Personen für das Fotografieren verantwortlich waren, hatte Norman irgendwann vor Jahren begonnen, heimlich ebenfalls Fotografien der Opfer anzufertigen. Kälte und Distanziertheit, so wie das in seinem Beruf Pflicht war, waren auch nun – und da war er froh darüber – zu ihm zurückgekehrt.
››Ja. Da scheint wieder mal irgend ‘ne Seele verbittert zu sein. Aber wenn diese Scheiße vorbei ist, meinst du, wir könnten dann mal wieder ausgehen?‹‹
Er versuchte, möglichst schüchtern und zurückhaltend zu klingen. Sie lächelte, zumindest hörte es sich über die Leitung des Funks für Billy irgendwie danach an.
››In Ordnung, Billy‹‹, meinte sie und während er sich mit sich ausbreitendem Grinsen im Gesicht freute, beendete sie das Gespräch, da sie eine Meldung eines anderen Streifenwagens hereinbekam.
Nun fuhr der Notarztwagen mit Sirenengeheul vor. Ein routiniertes Team stellte nach kürzester Zeit den Tod des bemitleidenswerten Lehrers fest (welch eine Leistung!) und die Formalitäten wurden erledigt.
Ein Dankeschön für den Gratiseintritt in die Geisterbahn wurde keiner vom entsetzten Notarztteam los. Über sein Mobiltelefon rief der Notarzt den Leichenwagen herbei, auch wenn der Tatort noch weiter zu untersuchen war.
Dann verschwand der Wagen zur nächsten Katastrophe. In Hitchten gab‘s nun mal in letzter Zeit verdammt viel zu tun.
››Scheiße, nicht die kleinste Spur. Verflixt, verdammt und zugenäht. Dieser Penner scheint ‘n verfluchter Profi zu sein‹‹, fluchte Billy Blank und bewegte sich wieder auf den Streifenwagen zu.
››Mal sehen, wie die Bilder werden‹‹, wurde Queer total unzusammenhängend los.
››Schon mal dran gedacht, Fotograf beim Penthouse zu werden?‹‹ schlug Billy Blank seinem Partner vor. ››Ich mein‘ ja nur, dass das vielleicht netter wäre, als diesen schrecklichen Horror-Schrott festzuhalten.‹‹
Kurz sah Norman, der auf den guten Vorschlag nicht im Geringsten einging, noch einmal dorthin, wo einsam und alleine das mehr oder weniger zerstückelte Mordopfer lag. Das würde sich bald ändern, da der offiziell beauftragte Fotograf sowie der Leichenwagen hoffentlich unterwegs waren. In Hitchten ging diesbezüglich mittlerweile alles immer ziemlich schnell und routinemäßig vonstatten. Tote gab’s hier beinahe so viele, wie anderswo Sandkörner am Strand.
Man durfte diese üble Scheiße nicht an sich ranlassen. Dennoch verspürte Norman Queer großes Verlangen danach, diesen mordenden Spinner endlich zu fassen, welcher sie seit Wochen ständig aus dem Schlaf riss und immer wieder mit neuen Kreationen des ekelhaften Schreckens beglückte.
››So ein Haufen gequirlter Mist, Billy. Funk‘ die Zentrale an.‹‹
Billy Blank hatte sich bereits im Wageninneren auf dem Fahrersitz niedergelassen und gab die Neuigkeiten an die Zentrale durch. Diesmal hatte er leider nicht Clarissa am Funkgerät, die sich wahrscheinlich absichtlich hatte ablösen lassen, um nicht nochmal mit dem Schwachkopf quatschen zu müssen.
Billy beschränkte sich auf die nötigsten Informationen, ließ aber eine zusätzliche Info über seinen Partner folgen, auch wenn die eine Lüge war, von welcher der noch gar nichts wusste.
So viel Ärger ihnen das wahrscheinlich auch einbringen würde, er vermisste den Schlaf zutiefst, weswegen er soeben eine Entscheidung getroffen hatte, wegen der er nun eben ein wenig mogeln musste.
Nachdem er anschließend eine schwarze Limousine sowie den Tatort-Fotografen bestellt hatte, warf er für eine Weile seinem noch recht fleißigen Partner Norman Queer einige belustigte Blicke zu.
››Hier ist einfach nichts. Null. Was bringt es uns, wenn wir jetzt wie wild durch diesen bescheuerten Park rennen, am Ende dann aber doch nichts finden?‹‹
Billy Blank wusste nur zu gut, wie unzufrieden Norman Queer stets war, wenn sich ihnen ein neuer Fall auftat, welcher unlösbar schien, so wie sich das nun auch bei jener Lehrer-Mordserie verhielt, bei der sie eher rückwärtsgingen, statt vorwärts zu kommen.
Billy Blank startete den Wagen und warf dabei einen letzten Blick auf den armen Wicht am Boden, der sein Leben ausgehaucht hatte. Im Moment reizte es Blank kein bisschen, hier zu warten, bis die bescheuerten Kollegen angetanzt waren.
››Wir kriegen Riesen-Trouble, Billy. Wenn du jetzt fährst, macht uns Abuzic die Hölle heiß. Und dann war’s das mit dem Job und ich kann mich bei McDonald’s hinter die Theke stellen. Scheiße, die Leiche ist noch nicht mal abtransportiert. Bist du wahnsinnig?‹‹
Doch Billy Blank hörte nicht auf seinen völlig zu Recht total erzürnten Partner, was für den Neuen ziemlich seltsam und ungewöhnlich war. Er winkte Norman Queer ungeduldig und genervt dreinblickend zu sich.
››Wir funken das neuste Kunstwerk dieses Psychopathen den beiden Vollpfeifen durch. Mach‘ ich gleich. Die sind heut‘ Nacht im Einsatz und fahren im Norden Streife. Du hast ’nen leichten Befall von was weiß ich was, weshalb wir heute Nacht leider nicht können. Die Zentrale weiß Bescheid.‹‹
Für Momente überlegte Norman Queer, dann entschied er sich dazu, dass er heute Nacht – wie offensichtlich auch Blank – keine Lust auf diesen blutigen Müll hatte und nickte seinem jungen Partner mit einem Grinsen im Gesicht zu.
››Weise Entscheidung, dafür gibt’s stehende Ovationen. Du musst nur die Augen schließen, dann hörst du sie. Und jetzt in die Blechbüchse, mein Guter‹‹, wurde Blank – nebenbei herzhaft gähnend – los und griff sich das Funkgerät, um Ray und John, die zu bemitleidenden Kollegen, herzubeordern.
Als Blank sowie Queer vor lauter Flüchen und Verwünschungen der Kollegen, die schon in Richtung Park unterwegs waren, noch die Ohren klingelten, setzte Billy Blank den Wagen zurück und kurz darauf waren die beiden von diesem Ort des Gemetzels verschwunden.
Im Revier würde Mortrian Abuzic am Morgen mit Sicherheit seine Wut über das Verhalten seiner beiden Polizisten herauslassen. Aber Blank kümmerte das nicht sonderlich viel. Der Wunsch nach Schlaf tötete alles andere im Moment schlichtweg ab. Außerdem hatten sie bereits zu gute Dienste geleitet, die beiden anderen Volltöffel mussten sie heute Nacht eben mal vertreten, da der arme Queer ganz plötzlich erkrankt war.
››Was bezweckt dieser Typ? Wie kann jemand zu derart Hässlichem in der Lage sein?‹‹ fragte Billy Blank gedankenversunken mit einer für ihn ungewöhnlich rauen Stimme. Er sah auf die Straße vor ihnen und schien plötzlich sehr nachdenklich zu sein.
Norman Queer konnte das zwar verstehen, aber er nahm sich das alles – zumindest meistens – schon lange nicht mehr so sehr zu Herzen, wie sein Partner das noch immer zu tun pflegte. Allerdings drehte er im Kopf halb durch, weil Billy einfach mal eben entschieden hatte, den Leichnam gemütlich dort im Stich zu lassen. Angesichts des Massakers an dem Lehrer in dieser Nacht war er jedoch durchaus selber deutlich angeschlagen und froh darüber, aus diesem Park verschwunden zu sein.
Er kannte seinen neuen Partner inzwischen doch schon ziemlich gut und war sich darüber im Klaren, dass der manchmal eben genau das durchzog, was er wollte, oder wonach ihm der Sinn stand. Und schließlich hatten sie das ja auch irgendwie gerade mal noch so gedeichselt für heute Nacht, wie er zumindest hoffte. Ansonsten würde er vielleicht wirklich bei McDonald’s anfragen müssen.
››Was weiß denn ich? Bin ich Jesus? Dieser kranke Typ ist mit Sicherheit irre. Was sollte er davon haben, all diese Lehrer abzumurksen und kleinzuhacken?‹‹ entgegnete Norman ziemlich barsch und warf Billy einen ratlosen Blick zu.
Billy Blank nickte nur zustimmend mit dem Kopf und murmelte dann etwas Unverständliches. Er wusste nur zu gut, dass aus den Wohnungen und Häusern der Ermordeten im Anschluss an deren unsanftem Ableben nichts entwendet worden war. Raubmord schied auch aus. Vor allem dann, wenn man sich die Opfer betrachtete, war Folgendes ziemlich klar: Hier war Mr. Wahnsinn am Werkeln und hacken.
››Abuzic reißt uns den Kopf ab…‹‹, begann Norman.
››…und scheißt uns in den Hals‹‹, beendete Blank einen der Lieblingsflüche von Mortrian Abuzic. Beide mussten lachen, wobei sie den Ernst der Lage im Augenblick nicht erkennen konnten, da sie der Konzentration beraubt worden waren.
So fuhren sie durch diese windige Nacht, welche von einer gespenstischen Dunkelheit erfüllt war.
Einen Mond schien der Himmel in dieser Nacht mit einem mal nicht mehr zu beheimaten.

Präzise
Sanft streichelte er über die Digitalkamera. Die Bilder seines letzten Opfers hatte er bereits den anderen auf seinem Computer hinzugefügt. Nun betrachtete er zufrieden das seitlich geschossene Foto und spürte eine schöne Zufriedenheit in sich. Wieder einmal war alles bestens verlaufen und das Ganze hatte ihm eine Menge Spaß bereitet.
››Du wirst hier niemals wieder rauskommen. Jedenfalls nicht lebend‹‹, teilte er mit einer sanften und nahezu geflüsterten Stimme einer Gefangenen mit.
Dann schaltete er die Kamera ab.
Für Momente betrachtete er seinen chaotisch übervölkerten Schreibtisch. Dieser stand direkt unter dem Fenster, durch welches er auf die Straße hinaussehen konnte.
››Schmor‘ in der Hölle‹‹, brachte die Gefesselte mit angsterfüllten Augen hervor, mit welchen sie jenen Mann betrachtete, welcher sie nun jedoch kaum beachtete.
Der Drucker begann zu rattern und zu surren, als er das Lieblingsbild der Bestie vom neuesten Opfer ausdruckte. Auch das gehörte zu seinen Spielchen. Schließlich wollte er die Polizei seine Fotografie-Künste betreffend auf dem Laufenden halten.

Mortrian Abuzic
››Wie stellt ihr beiden Idioten euch das vor?‹‹ brüllte Mortrian Abuzic sie am nächsten Morgen in seinem Büro wütend an. Er hatte heute ausgesprochen schlechte Laune, als er in die müden Gesichter von Queer und Blank blickte.
››Ich hoffe doch, euch ist der verdammte Ernst der Lage bewusst? Wir haben hier, verflucht noch mal, etliche tote Lehrer in den letzten Wochen zu beklagen. Und ihr pfuscht da am Tatort herum und verkrümelt euch einfach so. Wir sind hier nicht beim Film, ihr Helden. Das alles ist echt. Scheiße, verdammt.‹‹
Er betrachtete sie fordernd, bekam jedoch keine Antwort und merkte auch nichts von irgendeiner Reaktion. Nur die Leere sprach aus ihren Gesichtern und das beunruhigte Abuzic zutiefst.
Norman bereitete sich darauf vor, seinem Chef eine entscheidende Frage zu stellen. Zu Beginn räusperte er sich, war sich dann wieder im Klaren darüber, dass er ihm die Frage wohl bestimmt nicht stellen würde und tat dies dann doch.
››Meinen Sie nicht, es wäre besser, diesen Fall lieber zwei anderen zu übergeben?‹‹ schoss die Frage irgendwie ängstlich und schnell aus Norman Queers Mund.
Blank warf seinem Kollegen einen unsicheren Blick zu. Er selbst wurde bei den bisherigen Ermittlungen zu diesem Fall zweifelsohne ebenfalls von einer Art Hilflosigkeit begleitet. Aber was Queer da gerade eben gefragt hatte, das grenzte bereits an den reinsten Irrsinn.
››Ihr werdet diesen verfluchten Fall bearbeiten, diese ganze Scheiß-Mordserie, oder ihr könnt euch einen neuen Job suchen‹‹, brüllte Abuzic wieder und schlug im Anschluss daran fest auf seinen Schreibtisch.
Norman erwiderte nichts darauf. Er hatte Blank nur kurz angesehen und das war lange genug gewesen, um zu erkennen, dass dem die gestellte Frage nicht sonderlich gefallen hatte.
››Was soll das Ganze eigentlich? Siehst du in diesem Scheißfall irgendeine Möglichkeit, den ganzen Mist aufzudecken?‹‹
››Das ist immer noch besser als sich zurückzuziehen, Norman. Das solltest gerade du nur allzu gut wissen‹‹, antwortete Billy Blank, wobei er sehr unglücklich aussah.
››Wenn ihr euch diesem Fall verweigert, seid ihr eure verdammten Dienstmarken los. Dann könnt ihr in der Kloake von Hitchten die benutzten Gummis aussondern oder Hundekot von den Straßenrändern beseitigen. Ich hoffe, ich habe mich klar genug ausgedrückt!!!‹‹
Ein Nicken der Gleichgültigkeit. Und dennoch saßen die Worte von Mortrian Abuzic, ihrem zweiundfünfzigjährigem, grauhaarigem und zumeist schlechtgelauntem Boss in seinen immer viel zu engen Anzügen. Rauch von Abuzics Zigarre stieg – sich langsam kräuselnd – empor. Er betrachtete sie eindringlich und war davon überzeugt, dass die beiden seine Rede verstanden hatten.
››Leute, ich habe keine Zeit für diese Kindergarten-Scheiße. Entweder, ihr werdet euch jetzt sofort in den Streifenwagen begeben und diesen verdammten Irren hier bei mir abliefern, oder ihr könnt, verdammt noch mal, hier nur noch die Kaffeemaschine bedienen.‹‹
Nein, gut zu sprechen war heute in der Tat nicht mit Mortrian Abuzic. So sahen sich die beiden Streifenpolizisten eine Weile an, bis schließlich Queer derjenige war, der den Chef zu beruhigen versuchte. Eigentlich jedoch wollte er einfach nur seine Ruhe haben.
››In Ordnung, Mortrian. Auf uns ist Verlass‹‹, verkündete Norman, wobei sein Gesichtsausdruck auf ziemlich alles andere als das hindeutete.
Doch Mortrian Abuzic nickte nur und führte erneut die dicke Zigarre an seinen Mund, um einen weiteren Zug daran zu nehmen.
››Raus jetzt! Und wenn ihr schon dabei seid: Ich will meinen bescheuerten Kaffee.‹‹
Ohne weitere Worte schlugen sie die Türe hinter sich zu. Die Wucht ließ Abuzic für Sekunden in der Tat vollkommen fassungslos dreinblicken.
Den bestellten Kaffee ließen sie links liegen und saßen stattdessen kurz darauf wieder in Streifenwagen sieben, um sich nicht im Geringsten im Klaren darüber zu sein, wie sie diesen Fall weiterhin angehen sollten.
››Scheiße‹‹, war deshalb Norman Queers nur allzu gut passender Kommentar, als sie schließlich im Wageninneren saßen und er gerade den Zündschlüssel drehte. ››Ich sag‘ dir was, Billy: Wir reißen diesem Bastard den Arsch so weit auf, dass er sich wünschen wird, niemals geboren worden zu sein.‹‹

Leichenschauhaus
Hoffnung, dass sein Gegenüber bald selbst vom Thema abschweifen würde.
››Lass uns rein gehen‹‹, meinte Norman, den Streifenwagen abwertend betrachtend und setzte sich in Bewegung. Ohne Murren und weiteres Verlangen, eine Antwort zu erhalten, folgte ihm Blank. Diese Art der Hoffnung hatte er längst in der Erde begraben.
Der Anblick war nicht ein bisschen angenehmer als in der Nacht zuvor. Seltsamerweise löste er nun – unter Tage – eine Gänsehaut bei Queer aus, was Stunden zuvor nicht geschehen war. Er betrachtete den toten Körper eine ganze Weile.
››Ein Stich mit einer spitzen, in etwa vierzehn Zentimeter langen Klinge. Eiskalt und präzise. Alles Weitere ist nur Zierde‹‹, meinte der untersuchende Leichenbeschauer und inspizierte Queer mit strengem Blick. ››Ich fürchte, da kommt einige Arbeit auf Sie zu.‹‹
Die Strenge im Blick von Shula Bunzciorzic, wie der Inder hieß, missfiel Queer zutiefst. Diese Todesursache hätte er sich auch selbst zusammenreimen können. Dennoch schwieg er nur und bestätigte den Blick von Bunzciorzic mit einem freundlichen, dennoch unterkühlten Lächeln.
››Meine Herren, ich kann Ihnen nur so viel dazu sagen: Bei jedem der momentan der Serie zuzuordnenden Opfer wurde mit höchster Wahrscheinlichkeit dieselbe Tatwaffe verwendet. Dieser von Hass scheinbar erfüllte Täter bleibt wohl gern‘ bei Altbewährtem.‹‹
Blank warf einen neugierigen Blick auf die etlichen tiefen Schnittwunden im Gesicht des neuesten Opfers.
››Der Typ heißt…‹‹, der Inder stoppte, ››…hieß Jerry Croocher. Armes Schwein, wenn Sie mich fragen.‹‹
Anschließend ließen sich die beiden die Unterlagen zu diesem Mordopfer von dem Inder aushändigen und verschwanden, ohne sich zu verabschieden.
››Fahren wir in diese beschissene Schule‹‹, schlug Blank vor und las sich nebenbei oberflächlich die Unterlagen durch.
››Wer macht so etwas, Norman?‹‹ fragte er seinen Arbeitskollegen und Partner, diesen dabei anblickend.
Ratlosigkeit seltener Intensität lag im Inneren des Streifenwagens in der Luft und so setzte Queer auch diesmal den Wagen in Bewegung, ohne seinem stets neugierigen Kollegen eine Antwort zu geben.
››Gestern Abend habe ich die Fortsetzung von diesem einen spanischen Höhlenhorrorfilm gesehen‹‹, erzählte Billy Blank und fluchte kurz darauf einem Fahrradfahrer hinterher, der von der falschen Seite in den Parkplatz einfuhr.
››Weißt du, Billy? Manchmal wünsch‘ ich mir, ich hätte eine Familie. Ich weiß nicht mehr, wie ich diesen ganzen Mist aus meinem Privatleben raushalten kann. Ständig denke ich an diese Morde und wir haben nicht den kleinsten Ansatzpunkt. Eine verfluchte Scheiße ist das alles.‹‹
Mitleidig nickte Blank und spürte erneut den Hunger, welcher ihn seit dem vergangenen Abend, als er das letzte Mal etwas gegessen hatte, plagte. Dass der gute, alte Norman mal wieder nicht auf etwas einging, das er ihm erzählte, störte Billy nicht weiter großartig. So war sein Partner eben.
››Ja. Und ich denke, ein paar Donuts könnten dir nur gut tun‹‹, lächelte Blank und erhoffte sich diesmal eine Reaktion.
Aus dem Radio meldete sich ein Sportreporter.
››Schalt‘ den Mist weg‹‹, bat Norman, der dem Fußball nicht das Geringste abgewinnen konnte. Blank jedoch amüsierte sich köstlich, dennoch stellte er einen anderen Sender ein.
››Wagen sieben? Wagen sieben!‹‹
Entnervt blickte Queer auf das Funkgerät.
››Was ist denn nun schon wieder? Muss jemandem was gebügelt werden, oder vielleicht irgendwo im Revier staubgesaugt? Klar, hier ist Wagen sieben. Bei uns seid ihr immer richtig.‹‹
››Norman hier, Wagen sieben. Was ist denn schon wieder, Zentrale? Gibt’s vielleicht irgendwo Blumen zu gießen?‹‹ wurde Norman mit extrem genervter Stimme los.
››Sehr witzig. Bitte melden Sie sich unbedingt bei Abuzic, Norman‹‹, gab die schöne Stimme über den Funk durch. Mehr sagte sie nicht.
››Was soll diese Scheiße? Wie sollen wir da vernünftig an diesen Scheißfall rangehen?‹‹ wetterte Billy Blank.
Norman nickte nur zustimmend. Erneut betätigte er anschließend das Funkgerät. ››Zentrale? Hier Wagen sieben. Was soll diese Scheiße? Muss irgendwo ein Rasen gemäht werden, oder was?‹‹ zürnte er.
››Was das soll? Frag‘ das den Chef, aber nicht mich, Süßer.‹‹
Erneut beendete sie das Gespräch. Queer schüttelte den Kopf.
››Planänderung‹‹, meinte er.
››Hier geht es nicht zum Revier‹‹, stammelte Blank vorsichtig und wunderte sich. Queer lächelte nur und nickte.
››Das weiß ich, Billy. Wir werden auch nicht ins Revier fahren.‹‹

Der Mann mit dem kantigen Gesicht
Die Auflösung des Digitalbildes gefiel ihm nicht besonders, wie er bemerkte, als er sich dieses einige Minuten beinahe verträumt angesehen hatte. Er hatte vor, irgendwie und irgendwann ein Buch mit den Beschreibungen all seiner Morde und den dazugehörigen Bildern der Opfer zu veröffentlichen. Bei dieser kranken und nach Sensation hechelnden Menschheit – davon war er überzeugt – würde dieses Buch der reinste Kassenschlager werden.
Den Ausdruck des Fotos hatte er in einen Umschlag gesteckt, nachdem er diesen mit der am Tag zuvor gekauften Schreibmaschine adressiert hatte. Alles verlief nach Plan und er hatte großen Spaß an dem, was er tat. Mit seiner großen rechten Hand strich er sich seine Haare aus der Stirn und betrachtete noch immer unzufrieden das Bild in seinem Rechner. Auch mit den Schnitten im Gesicht war er nicht allzu glücklich.
Seine Arbeit erschien ihm diesmal durchaus ein wenig gepfuscht. Aber Spuren hatte er nicht hinterlassen, das wusste er mit Sicherheit. Nach einigen weiteren Minuten der Unzufriedenheit erhob er sich, entschied sich dann jedoch, noch ein wenig zu warten.
Er konnte sich nicht erklären, weshalb, jedoch erschien ihm der Zeitpunkt noch nicht gekommen, den Umschlag in einen der nächsten Briefkästen zu werfen, damit dieser als kleine Aufheiterung das Polizeirevier erreichen würde.
Schließlich drehte er sich um.
››Zieh‘ dich jetzt aus, Hure!‹‹ befahl er mit lüsternem Blick.
Dann fiel er über die willige Prostituierte her. Sicherlich hatte auch die große Menge Koks das seinige zu dieser Begierde beigetragen.
Für einige Zeit interessierte ihn nur noch ihr Körper. In seinen Augen standen ihm das reinste Verlangen und Wahnsinn geschrieben.

Planänderung
››Was, verdammt und halleluja, soll das, Norman?‹‹ fragte Billy Blank und schüttelte verständnislos und unsicher den Kopf, während Queer von einer Straße in eine andere abbog.
››Keine Sorge, Billy. Das wirst du gleich erfahren‹‹, entgegnete Queer und schien sich sehr über etwas zu amüsieren. Möglicherweise waren das irgendwelche Gedankenspiele, welche er in seinem Kopf verspann.
Blank wusste nur eines: Er wurde noch immer von diesem großen, ihn zutiefst quälenden Hunger verfolgt.
››Norman. Hör‘ mir zu, verflucht! Wir müssen ins Revier. Weiß der Kuckuck, was Abuzic wieder hat, aber ich halte es nicht für sehr ratsam…‹‹
Weiter kam er mit seiner Meinung nicht, denn langsam begann er, zu begreifen. Sie befanden sich momentan auf der Straße, welche aus Hitchten hinaus führte und gleichzeitig die Verbindung in irgendein dieser Millionenstadt nahegelegenes Nest darstellte.
››Das können wir später erledigen, Billy. Und diese verfluchte Schule interessiert mich im Augenblick nicht im Geringsten.‹‹
Blank hatte noch immer keine Ahnung, was Queer vorhatte.
››Wo fährst du hin? Ich hab‘ ein verfluchtes Recht, das zu erfahren. Ich bin dein Partner. Ich steck‘ in dieser ganzen Scheiße mit drin.‹‹
››Nennen wir es Eigenermittlung, mein guter Billy.‹‹
Norman sprach die Worte genau so aus, wie Sherlock Holmes stets seinen Begleiter Watson angesprochen hatte.
››Du willst also tatsächlich eine weitere Suspendierung?‹‹ fragte Blank und lauschte mit einem Ohr wieder der Radiosendung, welche nun ››The sun ain‘t gonna shine anymore‹‹ spielte. Blank mochte diese Art von älterer Musik, er konnte sich jedoch den Interpreten nicht ins Gedächtnis zurückrufen.
››Halt‘ die Klappe, ja?‹‹ gab Queer von sich und wirkte dabei sehr bestimmt und konzentriert. Noch achthundertdreiundzwanzig Meter trennten sie vom Stadtrand Hitchtens.
››Scheiße, Norman. Das gefällt mir absolut nicht.‹‹
››Ich weiß.‹‹
››Dieser Inder, Shula Bunzciorzic, ein seltsamer Vogel, oder?‹‹ fragte Billy Blank. Er bekam keinerlei Antwort.
Norman imponierte das fabelhafte Namensgedächtnis von Billy Blank. Die beiden ergänzten sich betreffend Queers fotografischem Gedächtnis vermischt mit Blanks beeindruckendem Namensgedächtnis sehr gut.
››Der Boss reißt uns den Kopf ab, wenn wir nicht gleich bei ihm auftauchen. Ich hoffe, du weißt das‹‹, sagte Blank und unterbrach die Momente von Queers innerer Bewunderung angesichts des Namensgedächtnisses von Billy.
››Wir sind die Besten. Vergiss das nicht! Er wird uns während dieses Lehrer-Falles nicht suspendieren.‹‹
Angesichts ihrer derzeitigen Erfolglosigkeit kam Blank diese Aussage doch sehr fragwürdig und lächerlich vor.
››Du würdest nur versuchen, mich davon abzuhalten. Aber ich versichere dir, dass du keine üblen Folgen zu befürchten hast, wenn du mich jetzt einfach fahren lässt.‹‹
Die Melodie des Songs klang sehr wohlig in den Ohren von Blank. Er fühlte sich gegenüber Queer unterlegen, denn er wusste nur zu gut, dass sein Partner durchsetzte, was er durchsetzen wollte. Das hatte mit Demokratie nichts mehr zu tun. Er war einfach sehr sicher und überzeugt in all seinen Handlungen. Und wenn schon? Momentan hatte Blank selbst keinen besseren Vorschlag vorzubringen.
Nur Abuzic erwartete sie und der Chef konnte sehr unangenehm werden, wenn er wollte. Am Morgen hatten sie nicht einmal einen Bruchteil seiner Gnadenlosigkeit miterleben müssen. Dennoch verstummte Blank erneut, beobachtete, wie sich der anscheinend leicht aufgeregte Norman Queer eine weitere Zigarette anzündete und lauschte dann den letzten Takten des Liedes, ehe dieses von einer Sondermeldung über den neuesten Mord in Hitchten – eben jenem an Jerry Croocher – unterbrochen wurde.
››Verflucht, ich dachte, sie würden keine Meldung darüber an die Öffentlichkeit bringen?!‹‹ stotterte Billy Blank beinahe. Norman, der um einiges mehr Erfahrung aufzuweisen und in den vielen Jahren seines Streifendienstes wesentlich mehr miterlebt hatte, wusste es selbstverständlich besser.
Nun tanzte Rock ‚n‘ Roll durch den Streifenwagen, denn der Song ››Gimme Shelter‹‹ von den Rolling Stones erklang aus den immer wieder ein wenig knisternden kleinen Boxen. Queer wippte lässig zum Takt der genialen Nummer.
››Das sollte auch nicht an die Öffentlichkeit, Billy. Aber heutzutage sind Leute so schnell käuflich, verdammt. Die Medien wären doch dumm, wenn sie Informationen nicht dem Publikum präsentieren würden. Das musst du als etwas Alltägliches verstehen, Billy. Die Presse, das Fernsehen, das Radio, das ganze verfluchte Internet, die alle haben nie etwas anderes getan, als uns Polizisten an unserer Arbeit zu hindern.‹‹
Längst hatten sie die Stadtgrenze hinter sich gelassen und nun warf Blank – einsichtig und doch ein klein wenig überrascht – einen Blick zurück auf die Wolkenkratzer von Hitchten, die langsam zu versinken schienen, je mehr sie sich von der Stadtgrenze entfernten.
››Diese Welt ist eine einzige Kloake, Billy. Aber du musst lernen, in dieser Kloake zu leben und zu bestehen. Anders wirst du‘s nicht schaffen.‹‹
Mit der Zeit nervten Billy Blank die ständigen Ratschläge seines mit zittriger Hand an der Zigarette ziehenden Kollegen. Das Lied der Stones fand aber auch er ganz fantastisch.
››Wo fährst du hin, Norman? Ich werd‘ dich nicht dran hindern, aber spuck‘s schon aus.‹‹
Blank hielt abermals die Abschlussunterlagen der Untersuchungen des Leichenbeschauers in den Händen. Nebenbei fiel ihm auf, dass der Inder sehr schnell zu einem Abschluss seiner Untersuchungen gekommen war. Ein Wunder war dies jedoch keinesfalls und genau diese Monotonie der Gleichheit der zurückgelassenen Leichen bereitete Billy Blank im Augenblick Sorgen.
Norman Queer antwortete weiterhin erwartungsgemäß nicht und beobachtete stattdessen nur den Verkehr vor sich.
››Geduld ist ebenfalls etwas, das du dir auf dem schnellsten Wege aneignen solltest, Partner‹‹, wusste Norman Queer zu vermelden und lenkte den Wagen wenige Augenblicke später von der Interstate.
››Du fährst nach Knocksville?‹‹ wollte Blank erfahren.
››Ganz Recht, mein Freund. Lass uns mit der Arbeit beginnen.‹‹
Norman hatte ein festes Ziel vor Augen. Das vermutete Blank nicht zuletzt daher, da der ganz gezielt Knocksville anfuhr, sondern er hatte es einfach im Gespür. Als sie kurz darauf das hölzerne Ortsschild der Viertausendseelengemeinde passierten, hatte Norman Queer bereits ein Lächeln der Zufriedenheit aufgesetzt.
Billy Blank betrachtete nun erneut etwas genauer den Untersuchungsabschluss des Inders Bunzciorzic.
››Weißt du, Norman? Ich sehne mich nach einer Zeit, in der wir nicht jede verdammte Scheiß-Nacht wegen einem beschissenen weiteren verfickten Mord geweckt wurden.‹‹
Norman Queer verstand seinen Kollegen nur zu gut. Im Gegensatz zu diesem hatte er sich jedoch bereits daran gewöhnt, dass diese Wünsche für immer Vorstellungen und niemals im Leben Wirklichkeit werden würden.
Nachdem weitere zwei Minuten vergangen waren, lenkte Queer den Wagen geschickt in die Einfahrt vor einer kleinen Bar. Er hatte noch immer dieses wahnsinnige Lächeln des Sieges im Gesicht.
››Was soll das?‹‹ fragte Blank und stierte in Richtung der zumindest von außen schäbig anmutenden Bar. Das war eine erbärmlich aussehende Spelunke, die nicht die geringste Spur von Hilfe in ihrem Fall vermuten ließ.
››Ich verstehe. Das Ganze hat überhaupt nichts mit unserem Fall zu tun.‹‹
Norman schüttelte bestimmt den Kopf.
››Du liegst so falsch, wie seit langer Zeit nicht mehr, Billy. Steig‘ aus und du wirst die Wahrheit erfahren.‹‹
Ohne weitere Verzögerungen folgte Billy Blank dieser Aufforderung.
››Wir befinden uns hier auf einem langen Pfad der Irre‹‹, meinte Blank und folgte Norman.
››Vielleicht sollten wir trotzdem eine Meldung durchgeben?‹‹ riet Billy Blank, doch Queer war bereits zu weit entfernt, um dies zu verstehen und Billy wusste nur zu gut, dass er auch dann nicht reagiert hätte, wenn er ihn verstanden hätte.
Etwas demütig folgte er seinem eigenwilligen Partner in Richtung der kleinen Bar.

Douglas Mills
Ein neonorange-farbiges, ebenfalls bereits recht heruntergekommen aussehendes Schild deutete auf ››Mills‘ Bar‹‹ hin.
Das Summen verstummte immer wieder und wurde durch den starken Novemberwind übertüncht, ehe es sich abermals durchzusetzen vermochte und erneut in ihre Ohren drang.
Norman hatte die Kneipe bereits betreten. Countrymusik spielte ihnen entgegen und als auch Billy die dunkle Bar betrat, stach ihm sofort der abgestandene Geruch von Schweiß und Zigaretten in die Nase. Er kämpfte dagegen an, sich auf der Stelle zu übergeben.
››Tag, Mills‹‹, begann Norman, während Blank den kleinen, untersetzten Mann, der eine unscheinbare Ausstrahlung auf ihn ausübte, erst nach einer längeren Weile bemerkte.
››Lange nicht gesehen, Kumpel. Wie geht’s denn so?‹‹
Mills, wie der Kerl offensichtlich hieß, beachtete Billy Blank nicht im Geringsten, so als sei er nicht existent. Und Billy spürte, dass er dies mit Absicht tat. Dieses ihm unsympathische Verhalten jedoch schloss er auf die Seltsamkeit der Bürger dieser kleinen Orte im Allgemeinen.
Er beobachtete die beiden und wünschte sich, diese grauenhafte Countrymusik möge bald zu Ende sein. Stattdessen folgte ein weiteres Country-Lied, in dem tiefe Stimmen über verflossene Lieben und Kämpfe um Frauen sangen.
››Schöne Scheiße, was bei euch wieder los ist, Norman‹‹, meinte Douglas Mills und Queer war sofort klar, dass sein alter Bekannter die Lehrermorde meinte.
››Ja, auch das hat mit meinem Besuch zu tun, Mills. Hör‘ mir zu! Du musst was für uns tun.‹‹
››Wer ist er?‹‹ begann Douglas Mills und Queer starrte auf seinen Partner, der sich in der Nähe des Ausgangs aufhielt. Im Augenblick rümpfte er sich die Nase, denn der Geruch war doch sehr extrem.
››Ich rede nicht von deinem Anhängsel‹‹, raunte Mills, ehe Queer seinen Kollegen hätte vorstellen können. Eigentlich jedoch hatte er gewusst, dass Mills seinen Partner nicht beachten würde. Er war aufs äußerste misstrauisch und zählte nur sehr wenige Menschen zu seinem Freundeskreis.
››Keine Ahnung, Mills. Jedenfalls hält er uns ziemlich auf Trab, wer auch immer das alles angestellt hat. Mills, du weißt, dass du mir einen Gefallen schuldest?‹‹
Stille kehrte ein und aus den kleinen Boxen des Radiogerätes verkündete ein Moderator die neuesten Nachrichten.
Douglas Mills starrte seinen alten Freund eine ganze Weile an und sagte nichts. Dennoch geschah etwas mit ihm, als er sich an jenen entscheidenden Moment erinnerte. Röte stieg in sein Gesicht und er verspürte eine seltsame Mischung aus Scham, Unterlegenheit und Zorn.
››Scheiße und zur Hölle, Norman. Erzähl‘ mir keinen Quatsch! Das ist so lange her.‹‹
Verständnislos beobachtete Blank dieses Gespräch und konnte sich zugleich keinen Reim darauf machen, aus welchem Grunde Queer diesen seltsamen Mann aufgesucht hatte. Der viel zu schwach arbeitende Ventilator fächerte ihm eine neue Welle des schlechten Geruchs ins Gesicht. Angewidert drehte er sich in eine andere Richtung und beobachtete dann aus nun größerer Entfernung die beiden.
Norman zeigte äußerlich keine besondere Reaktion auf Mills‘ Worte hin. Innerlich jedoch begann es in ihm zu brodeln.
››Ach ja, Mills?‹‹
››Du tauchst hier ein Jahr nicht auf, niemand weiß etwas von dir, Norman. Und nun soll ich dir helfen? Denkst nicht auch du, dass diese Bitte ein klein wenig vermessen ist? Verdammt, ich schulde dir genau nichts. Hast du das kapiert? Bestell‘ dir, verdammt noch mal, etwas, oder verschwinde aus meiner Bar! Das ist nicht mein Tag, Kumpel.‹‹
Aus der Ferne war wieder das Funkgerät des Streifenwagens zu hören, während Queer nur leicht mit dem Kopf nickte und sich zu seinem Partner umwandte.
››In Ordnung, Mills. Ich lass‘ dich, verflucht noch mal, hochgehen und du weißt genau, dass du keine Chance hast, dann auch nur noch den Wunsch zu äußern, du hättest mir an jenem verfluchten Nachmittag nicht die falschen verdammten Worte ins Gesicht gespuckt. Verlass‘ dich drauf.‹‹
Wieder blickte er sich zu Mills um. Es befand sich kein weiterer Gast in der kleinen Bar.
››Und schalt‘ diesen verfluchten Ventilator aus! Ich weiß, dass du schon wieder so zugekokst bist, dass es dir vorkommt, als wärest du in der heißesten und gnadenlosesten aller erdenklichen Wüsten. Aber merk‘ dir eins, Mills: Diese Undankbarkeit wird dich Kopf und Kragen kosten.‹‹
Dann verschwand Norman, gefolgt von einem verwunderten Blank, aus der verrauchten Bar, ohne zu erkennen, wie sich Douglas Mills hinter der engen und schmalen Theke hervortat und ihnen nachmarschierte.
››Norman, lass mit dir reden, verflucht noch mal.‹‹
Mills wusste sehr wohl, dass Queer ihn tatsächlich ohne große Probleme wegen dessen ständiger Drogengeschäfte dran bekommen konnte. Dennoch vermochte er nicht den Mut aufzubringen, seine Winchester unter dem Ladentisch hervorzuziehen, mitten auf den Rücken von Queer zu zielen und abzudrücken.
››Zur Hölle mit dir, Mills!‹‹ meinte Queer gleichgültig. ››Du hattest deine Chance, Doug. Jetzt ist es zu spät.‹‹
Ängstlich und nachdenklich zugleich blickte Mills seinem alten Freund hinterher.
››Ich weiß, weswegen du mich aufgesucht hast. Ich hab‘ viele Beziehungen, Norman. Aber ich kann dir bei dieser ganzen Scheiße nicht behilflich sein, denn dieses ist ein Werk eines Irren.‹‹
Nun drehte sich Queer nochmals zu Mills um, der im Türrahmen der Bar stand, von wo aus er den Streifenwagen anstarrte, als handle es sich bei diesem um ein UFO.
››Nutz‘ diese letzte Chance, Mills, oder erstick‘ jämmerlich an deinem Stoff. Du weißt, dass ich dich nicht auffliegen lassen werde, weil das viel zu gutmütig wäre. Ich wollte dir nur eine Chance geben, uns bei diesen bescheuerten Ermittlungen zu unterstützen, um zur Abwechslung was Sinnvolles zu machen, um aus dieser Scheiß-Bar rauszukommen. Aber das ist deine Entscheidung. Und diese Hilfsbereitschaft werd‘ ich mir merken, mein Freund.‹‹
Gespannt beobachtete Billy Blank das weitere Geschehen und spürte erneut dieses Gefühl des Hungers.
Mills hatte mit seinen Zweifeln zu kämpfen und es verstrichen weitere drei Minuten, in denen nichts geschah, außer einem Funkspruch der Zentrale, dass Queer und Blank auf schnellstem Wege ihren Arsch zu Mortrian Abuzic bewegen sollten.
Dann jedoch entschied sich Mills für etwas, das Queer nicht für möglich gehalten hatte: Er schloss die Tür seiner Bar ab, warf ihr durch das seitliche, große Glasfenster einen letzten Blick zu, und schlenderte dann dem Streifenwagen entgegen. Den Blick hielt er währenddessen auf Norman Queer gerichtet.
››Ich wusste es‹‹, meinte dieser erfreut und überzeugt klingend, als sich Douglas Mills auf dem hinteren Sitz des Wagens niedergelassen hatte, wobei eine Staubfontäne durch die Luft wirbelte.
››Das ist der Mills, wie ich ihn kenne.‹‹
Wenige Augenblicke später drehte er den Zündschlüssel und setzte den Wagen aus der Einfahrt.


So… Hier endet die Leseprobe zum Psycho-Thriller ››ANGST‹‹ mit Humor & jeder Menge Merkwürdigkeiten von Julius Cyphandrius (Pseudonym von Linus Lumpitzsch). Wer nun Lust darauf bekommen hat, die Geschichte weiterzulesen, kann das sehr gerne tun. Das würde mich glücklich machen.

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Der Psycho-Thriller ››ANGST‹‹ von Linus Lumpitzsch/Julius Cyphandrius wurde am 28. März 2014 bei Amazon als E-Book im dortigen Kindle Store veröffentlicht und ist nun seit 7.7.2015 in letztmals leicht aktualisierter Fassung zu haben.

 

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